Mario Brandenburg

Rahmenprogramm Gesundheitsforschung - Rede, 22.02.2019

Chancen und Herausforderungen in der Gesundheitsforschung
Rahmenprogramm Gesundheitsforschung

Die Forschung an sogenannten Volkskrankheiten wie Diabetes II oder Herz-Kreislauferkrankungen ist äußerst wichtig, jedoch darf dies nicht zu Lasten der Forschung an den Märkten und Heilungsmethoden der Zukunft gehen.

Das Stichwort „Individualisierte Medizin“ weckt Hoffnungen. Sie verspricht Chancen auf Heilung für den Einzelnen, wirft aber die Finanzierungsfrage für das Kollektiv auf.

Deshalb ist es unabdingbar, mit dem neuen Rahmenprogramm nicht nur die Grundlagenforschung zu fördern, sondern eben auch beim Transfer in den Markt zu unterstützen.

Aktuell gelten Publikationen leider als die einzige wahre Währung in Deutschland für eine akademische Laufbahn. Es braucht mehr Anreize für Patente oder Ausgründungen, denn wenn eine gute Wissenschaftlerin gründet, bei Startups aushilft oder mit Biotech/Pharma-Unternehmen kooperiert, muss sich die zukünftig positiv auf die Reputation und somit die weiteren Stufen der Karriereleiter auswirken.

Denn letztendlich leisten Forscher damit einen Dienst zu Sicherstellung der hochwertigen medizinischen Versorgung unserer Gesellschaft.

Und die aktuellen technologischen Entwicklungen liefern der Gesundheitsforschung noch weitere Möglichkeiten. In den vergangenen 2000 Jahren war Medizin oft reaktiv. Sie kam erst zum Zuge, wenn bereits etwas kaputt war. Bei Automobil oder bei Maschine nutzen wir schon lange Sensoren, die Probleme frühzeitig melden. In Zukunft kann Medizin auch proaktiv handeln.

Die heimische Alexa erkennt Herzkrankheiten an der Veränderung der Stimme, Scanner-Apps warnen uns vor potentiellen Melanomen und Bewegungssensoren stellen fest, dass wir die heimische Treppe inzwischen in 15 Sekunden und nicht mehr in zehn Sekunden laufen und weisen uns auf potentielle Knieprobleme hin.

Doch die neue Gesundheit kommt nicht ohne Preis. Die Medizin der Zukunft beziehungsweise eine bessere personalisierte Medizin wird nur mit besseren und mehr persönlichen Daten gelingen. Doch sind wir überhaupt bereit dazu, diese Daten zu teilen? Dies ist eine elementare Frage und wird für die Chancen und die Zukunft des Medizinstandort Deutschland entscheidend sein. Die informationelle Selbstbestimmung des Patienten ist ein hohes Gut und muss trotz aller Veränderungen gewährleistet bleiben. Hier hilft nur vollständige Transparenz beim Zugriff auf die Daten des Patienten. Dies reduziert nicht nur die Risiken, sondern versetzt den Patienten auch in die Lage, beispielsweise online nachzuschauen, was seine Krankenkasse eigentlich abrechnet.